Die Geschichte der Schule

Die Schule in Biblis im Mittelalter

Die Errichtung der ersten Schule in Biblis fällt in die Zeit der Reformation, also in die Zeit, in der Biblis mit dem Oberamt Starkenburg dem pfälzischen Kurfürstentum unterstand. Als Gründungsdatum gilt das Jahr 1566, unter dem im Kompetenzbuch nachzulesen ist:

„Dieweil es hiebevorn zu Biblis kein Schul gehabt, ist dieselbige von dem Gericht daselbsten gemeiner Jugendt zu Nutz angeordnet und dem Glöckner Anthoni Wetzel zu halten befohlen.

Und hat ermelter noch zur Zeyt von dieser angeordneten Schul weyters nicht, dann von jedem Knaben 12 Albus jerlich, deren er in der Zahl 14 hat und ist zu verhoffen, weyl es an diesem Ort ein zimbliche Anzahle der Jugendt, es solle sich diese Schul mit Knaben mehren.“

An einer anderen Stelle heißt es:

„Ist kein Schulhaus zu Biblis, und hat der Pförtner auf dem Pfortenhaus nit Schul gehalten, sondern anno 1590 ohngefähr hat die Gemeinde ein Schulhaus neben ihrem Backhaus gebauet und auf ihre Kosten erhalten. Darinnen nun ein Schulmeister oder Glöckner wohnt, gibt ein jeder Knab jährlich zum Schulgeld fünfthalbe (vierundeinhalb) Albus. “

Der Unterricht wurde in der Wohnung des Glöckners – Glockenhaus genannt – abgehalten, deren Raum wohl nicht allzugroß war. Hier begann für die 8- bis 12jährigen Schüler zuerst der Religions- und dann der Elementarunterricht (Lesen, Schreiben, Rechnen). Lesebuch war der Heidelberger Katechismus. Schulzwang bestand nicht, und die Mädchen wurden zum Unterricht überhaupt nicht zugelassen. Das schon vorher genannte erste Schulhaus stand auf dem Gelände der „Alten Schule“. Über die Unzulänglichkeit seiner Ausmaße und Einrichtung ist folgendes berichtet:

„Eine kleine Behausung, hat gar keine Kammer, eine enge Stube vor ihn (gemeint ist der Lehrer) und die Knaben, ein elend Behelf zur Wohnung, daran zwen kleine Stall vor zwo Kue und ein paar Schwein stehet an dem Backhaus unter einem Dach gebauet, eben auf dem Platz, da vorzeiten ein Kaplan oder Frühmesser gewohnet…“
Wegen der Mängel beantragte der Schulmeister Nikolaus Eschbach 1595 die Erbauung eines neuen Schulhauses. Er schrieb: „Die Gemeind hat ein besonders Haus und Glockerswohnung, welches viel zu klein und zum Schulhaus gar unbequemlich, haben aber Gericht und ganze Gemeind verwilligt, künftiges Jahrs ein neues Schulhaus zu bauen, darin man sich wohl betragen solle.“

Kurz danach wurde es erbaut, wie aus einem Nachtrag zum Kompetenzbuch von 1595 ersichtlich ist. Der Nachtrag teilt zuerst mit, daß das Backhaus dem alten Schulhauslein gegenüberstehe, und fügt bei: „Jetzt ist das Schulhäuslein auch daselbsthingebaut.“ Schon 1605 wurde wieder von dem schlechten Zustande des Schulhauses berichtet: „Ein Schulhaus, welches die Gemeinde gebauet, aber gar in Unbau gehalten wird, wie augenscheinlich.“

Was im Dreißigjährigen Krieg mit dem Schulhaus geschah, ist nicht bekannt. Sicher ist nur, daß von 1636 bis 1659 keine Schule gehalten wurde, es fehlte an Kindern und an Geld. 1654 forderte der Pfarrer Klinghammer das Frühmesserhaus, also das damalige Schul- und Backhaus, zu einem Wohnhaus zurück, weil das Pfarrhaus abgebrannt war,doch das Gesuch wurde ihm abgeschlagen.

Die ersten Lehrer an der Bibliser Schule waren:
1566 Anthoni Wetzel
1570 Wolff Rams
1584-1600 Nikolaus Eschbach aus Bingen
1600-1611 Christoph Pfungstetter von Windecken
1611-1620 Johannes Leher
1620 Kaspar Reckius

Die Grundschule von Biblis seit 1945

Mit dem sprunghaften Anwachsen der Bevölkerung nach dem 2. Weltkrieg war auch die Zahl der schulpflichtigen Kinder gestiegen, und die vorhandenen Schulräume reichten nicht mehr aus. Klassen von 50 Kindern und mehr in einem Raum waren keine Seltenheit.

Deshalb hielt der Gemeinderat auf seiner Sitzung vom 14. Mai 1947 die Errichtung eines Erweiterungsbaues für die Schule für dringend erforderlich und beauftragte Oberbaurat Giesen mit den notwendigen Vorarbeiten. Die Durchführung der Baumaßnahme scheiterte jedoch zunächst an der Finanzierung und wurde bis 1949 zurückgestellt. Als sich die finanzielle Lage der Gemeinde einigermaßen stabilisiert hatte, beschloß der Gemeinderat am 15. Juni 1949, noch im gleichen Jahr die Schulhauserweiterung in Angriff zu nehmen. Es sollten sechs Schulsäle neu geschaffen werden.

Der Bürgermeister wurde beauftragt, sofort mit dem Kreisschulamt und dem Hochbauamt in Verbindung zu treten, um Planungs- und Zuschußfragen zu klären, und der Reservefond der Gemeinde sollte laut Beschluß bis auf einen Rest von DM 300,- verausgabt werden.

Am 24. Oktober 1951 erhielt die Gemeinde von der Firma Kübel eine Schenkung in Höhe von DM 10000,- für den Schulerweiterungsbau. Damit war eine immer noch bestehende Finanzlücke für dieses Projekt wesentlich verkleinert worden, zumal sich der Gemeinderat dagegen gesträubt hatte, als Gegenleistung für eine Bezuschussung durch das Land Hessen und den Kreis Bergstraße die Bemessungsgrundlage für die Grundsteuern A und B zu erhöhen, wozu sie sich aber später doch genötigt sah.

Der Schulerweiterungsbau wurde nun zu Ende geführt und am 19. 12. 1952 seiner Bestimmung übergeben.

Doch die Schülerzahl wuchs stetig weiter, und so entschloß sich die Gemeindevertretung im Jahre 1960 zum Bau einer ganz neuen Schule in der Freiherr-vom-Stein-Straße. Das war nun der vierte Schulhausbau seit 1844, als einstöckig das heutige sogenannte „Alte Schulhaus“ in der Kirchstraße entstand, das 1878 aufgestockt wurde. In den Jahren 1903 bis 1906 baute die Gemeinde das nächste Schulgebäude, das dann, wie bereits geschildert, erweitert wurde. Doch auch dieser neuerliche Bau sollte nicht ausreichend sein. Es galt einmal, den Schichtunterricht zu beseitigen, neue Fachräume für einen zeitgemäßen Unterricht zu schaffen und der bevorstehenden Einführung des 9. Schuljahres Rechnung zu tragen.

Im Oktober 1961 begannen die Bauarbeiten und am 14. 11. 1962 konnte das Richtfest gefeiert werden. Die Bauleute hatten trotz aller Schwierigkeiten mit dem Grundwasser gute Arbeit geleistet. Am 29. 8. 1964 wurde dann der Schulneubau in einer kleinen Feierstunde in Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste seiner Bestimmung übergeben.